Lass lesen!

Liebe Freundinnen und Freunde des Ateliers für Kunst und Philosophie

Da draußen ist nicht mehr viel los. Im Innenraum aber bewegt uns einiges. Wir sind kollektiv in eine ungewohnte Alltagsbewältigung gezwungen und doch unterschiedlich davon betroffen. Wir beschäftigen uns je anders mit der Situation.

Wie erlebst du die Schieflage? Wenn dich etwas auf oder unter den Nägeln brennt, schreib' doch deine Gedanken nieder - ob spontan, ausgefeilt, poetisch oder nächtelang durchdacht. Schicke deinen kürzeren oder ausführlichen Text an info@kunstundphilosophie.ch

Ob du pianissimo unterwegs bist oder von innerer Bise getrieben - wir freuen uns auf deinen Beitrag. Du erlaubst uns mit deiner Einsendung ausdrücklich, den Text zu publizieren. Bitte nenne uns deinen Vor- und Nachnamen und deinen Lebensort. Mag sein, dass wir später noch andere Angebote entwickeln. Wir beginnen jetzt mal so. Leg los! Wir sind gespannt auf deine Einsichten und deine vielleicht entspannenden Ausblicke.


…„Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen könnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“…

Schrieb Henry David Thoreau 1854,  in “In Walden” 

Tuberkulose, Hirnhautenzündung, ansteckend, Cholera, Gelbsucht die ansteckende Version, Malaria, Hepatitis C, Tenge Fieber und jetzt das Coronavirus19. Das sind die Seuchen, die ich persönlich in meinem Umfeld erlebt hatte und teilweise selber überlebt.

Der Zug der mich bis hier her ins Exil gebracht und noch bringt, ist 73 Jahre lang. Jahr für Jahr fährt er langsamer. Die Landschaften schieben sich schneller und schneller durch die Fenster. Das Reden der Menschen, kommt mir zunehmend vor wie das plätschern des Brunnens vor dem Haus, aus Wiederholungen und längst bekannte Wendungen. 

 

Ich sitze im letzten Wagen des Zugs. lehne ich mich aus dem Fenster sehe ich in den Kurven alle neun Wagen bis hin zur Lokomotive. Der Zug schleicht sich höher und höher. Immer noch geht mir alles viel zu schnell. Ich kann die Bilderlandschaft nicht wirklich erfassen, das Gerede kaum deuten und schon überlagert etwas Neues das Alte. Nur manchmal bleibt mir die Zeit stehen, dann atme ich, ein – und aus.

Vor mir sind neun Wagen mit mir zunehmend fremd gewordenen, Menschen. Darunter solche, die sich ständig nur aus dem Fenster lehnen, solche die die Wirklichkeit verfremden, in Zungen reden oder Gemeinplätze verteilen. Da sind zu viele die sofort die Seite wechseln wenn jemand schreit: da ist ein Esel, da ist ein Kamel, ich sehe ein Walfisch.

 

Ich versuche zu verstehen ob die Landschaft, auf der rechten Seite des Zuges, die Gleiche ist wie die Landschaft links. Oder ist sie gar der Zeit voraus? Ich versuche herauszufinden ob den Menschen nur Worte fehlen um das zu beschreiben was sie bewegt: oder der Verstand um die Ereignissen zu ordnen. Ich versuch herauszufinden ob alles nur eine Fatamorgana

Wer weiss was eine Milliarde ist?

Um sich von einer Milliarde ein Bild zu machen hier ein “Bild”

Wir leben in der Schweiz im Durchschnitt 83 Jahre, zu 365 Tage, das ergibt 30’295 Tage. Wenn 1’320 349 Millionen Menschen 83 Jahre leben so ergibt das 40 Milliarden.

 

Als Pfadfinder muss ich jeden Tag eine gute Tat vollbringen. Das nur so nebenbei.

Ich habe also immer noch genügend zu tun. 

Ich meine: 

Die Milliarden, die es braucht um die Wirtschaft zu retten, auch Betrieben denen das Wasser vor der Krise schon zum Halse stand und all den Umweltzerstörern, den Firmen die dieses Übel verursachten und dann ihr Korrektur des Übels schönreden oder gar Mittel dagegen verkaufen, aber auch “systemrelevante”  Luxuskonzerne,  darunter viele Steuervermeider und Prozer. An sie wurde grosszügig noch nicht fehlende Geld schneller versprochen und verteilt, als ihre Rechnungen fällig wurden oder schneller als genügend Masken für die Spitäler und Pflegeheime beschafft werden konnten. Die Betriebe wurden gerettet noch bevor sie in Schieflage kamen.

Voraussetzung zu einer realistischen Beurteilung der Verseuchung der Bevölkerung mit dem Virus sind die Tests.  Mit denen kann man allfällige Kranke oder Infiszierte untersuchen und isolieren. Diese flächendeckenden Testmöglichkeiten waren nicht möglich, weil es nicht genügend Testkits gab. 

Offenbar war das bei den Betrieben anders. Da lagen die roten Zahlen schon auf dem Tisch als man  begriff, dass das Corona Virus sich in der Bevölkerung wie ein Rizom ausgebreitet hatte.

Ich hätte vom Staat erwartet, dass er zuerst die Bürger schützt und zwar persönlich. Und nicht das System ohne Kopf zuerst. Oder will mir jemand weismachen eine Aktiengesellschaft habe einen Kopf?  Wenn dem so wär, dann muss ich einwenden, dieser “Kopf” ist beliebig auswechselbar. Ganz im Gegenteil zu meinem Kopf.  Schon beim Swissair Kollaps staunte ich, und später nochmals bei der Banken Krise.

 

Es hätte Schuldige geben müssen, aber ohne Köpfe gibt es keine Schuldigen. Das System ist sozusagen virtuell. Die Revisoren der Swissair waren also “virtuelles ein System ohne Kopf . "Diese kopflose Systeme" hat der Staat unterstützt. Es ist anzunehmen, dass schon in wenigen Jahren diese Köpfe in der Verjährung untergegangen sind.

 

Dieser Rettungschirm, der eher ein Rettungsfallschirm war, war vielleicht vernünftig. Vielleicht war es einfach notwendig. Die Unterstützung der Wirtschaft wäre sicher Ordnung wenn der Staat, stellvertretend für die Bürger, um deren Geld es geht dafür Anteile dieser Firmen bekommen hätte.

 

So geht es mir, wenn ich Grossvaters goldene Uhr, ins Pfandhaus bringe und da hinterlegen muss. Es geht mir auch so mit dem Haus, für das ich erst eine Hypothek bekomme, wenn ich das Haus als Pfand gebe. Für die Firmen aber ist das anders. Sie füllen ein Formular aus und bringen es zur Bank. 2 Stunden später haben sie das Geld, wenn die Hausbank die Angaben überprüft haben. Warum die Hausbank wo sie doch den Kunden nicht nur kennt, und auch nicht verlieren will? Warum nicht eine andere Bank. Banken sind ja nicht etwa bekannt dafür dass sie gemeinnützig sind und in Krisen anständiger als ein Taschenspieler.  

 

Man kann dies auch anders denken indem man sich die Frage stellt:

Wen oder was muss der Staat eigentlich schützen? Den Menschen oder das System in dem er lebt, z.B. die Ökologie oder die Wirtschaft die ihm das Leben ermöglicht? 

Wem ist die Bundesverfassung verpflichtet, wenn nicht dem Menschen?

Meine etwas abstrahierte Version kommt zum Schluss den Menschen zuerst. Ohne den Menschen braucht es keine Wirtschaft. Die Wirtschaft könnte auch ganz anders funktionieren, sie wird in der Zukunft auch anders funktionieren. Der Mensch aber bleibt. 

Man könnte auch argumentieren allen dreien. Denn ohne eine funktionierende Ökologie kann der Mensch nicht überlebe, ebensowenig ohne eine funktionierende Wirtschaft. Hinzufügen müsste man; auch nicht ohne Regeln die das kooperative soziale Verhalten regelt. 

Die  Corona Krise wirft uns zweifelsohne zurück, zu fundamentaleren Fragen: Was brauchen wir zum Leben? Welchen Raum beanspruchen wir? Welche individuellen Rechte stehen uns zu? (Z.B. für manche Amerikaner ist es der Waffenbesitz.)

Nachdem ich einen Teil der Welt bereist hatte, kam ich zum Schluss wir brauchen Familie, Liebe, Essen etwas zum trinken, ein Dach über dem Kopf, dem Klima angemessene Kleider, Schlaf, Freunde und die Sprache um zu denken. Sie liefert  Begriffe Wörter zund eine Gramatik die die Wörter verbinden. Ein Taubstummer braucht keine Sprache, er verwendet im Äussersten seine Sinne um die Mitwelt zu erfahren und Gesten um zu sprechen.  Auf einem weniger zwingenden Ebene brauchen wir “Kultur”.

Das ist, was mir Corona19  in Erinnerung  ruft.

Corona19 rüttelt an unserer Erfahrung. Weil sie zu Corona fehlt. Unsere Lebenswelt schrumpft,. Wir sind aufgefordert selbst zu denken. Wir können uns nichtmehr auf alte Rezepturen beschränken, wir können nicht einmal mehr urteilen was falsche und was richtige Informationen sind. Wir müssen jetzt selber denken und urteilen lernen, um die Vielfallt an Behauptungen zu unterscheiden. Werte die unsere Welt bestimmten kommt ins Wanken.

 

Wir definierten uns durch den Konsum, Arbeit und Geld.  Werte die wir uns aneigneten im Laufe der Zeit. Fussball, Krimmiabende, Nachrichten, das Handy, das Internet und Ferien. Das wird uns genommen.

Ich versuche zu verstehen warum es auf manche Fragen eine Antwort gibt, auf andere aber nicht. Selten gibt jemand zu, dass er keine Antwort hat. Fast nie glaubt mann dass es mehrere richtige Antworten gibt. Zum Beispiel: meine und deine. 

 

Ich frage mich wohin die Kreuzfahrtschiffe all die Kreuzfahrer hinbringen. Ich frage mich welcher Religion sie angehören? Ich meine das im übertragen Sinn. Muss diese Religion 6 Stockwerke hoch, 24 Meter breit und 180m lang sein, Plastik Palmen und Liegestühle haben und meterlange Buffets? Ich frage mich, was diese Menschen antreibt, wenn sie im Flugzeug zu Punkt X fliegen, sich 14 Tage lang von Hafen zu Hafen schippern lassen, und dann vom Punkt Y, braungebrannt und sattgefressen zurück fliegen. Ich frage mich, ob, diese Menschen, nach einer oder mehreren Woche Quarantäne in einer engen, möglicherweise fensterlosen Kabine, denken:  Zuhause wäre es gemütlicher gewesen. 

 

Vielleicht hinterfragen sie jetzt erstmals, was sie bessert im Voraus getan hätten. Welchen Sinn stiften die Kreuzfahrtschiffe? Welchen Sinn hat das Fernsehen, welchen Sinn soll das Fernsehen haben. Das staatliche im Besonderen?

Ich befürchte: die grösste Sorge dieser Art Kreuzfahrer wird sein “Ihr” Geld zurück zu bekommen, das die Reise in die Quarantäne gekostet hat.

 

Wo sind wir nur hingekommen?

Jetzt schreien wir nach dem Staat, nicht um uns zu schützen, respektive Leben, nach ein paar Wochen schon schreienn wir nach den Restaurants, den Fabriken, Läden oder dem Baumarkt. Wir versuchten doch Steuern zu sparen, jetzt wollen wir plötzlich nicht vorhandenes Geld beziehen.

 

Was machen wir, die Alten im letzten Wagen, nach unserer Pensionierung mit der gewonnenen Freizeit?  Berge besteigen, Shoppen, Zeitung lesen, wohnmobilen, ja, ja, ich weiss, auch Enkelkinder hüten. Fernsehen bis wir uns nicht mehr erinnern was wir gesehen haben. Wir erinnern uns an Promis die einander gegenseitig zelebrieren, die sich gegenseitig in Szene setzen. Wir verlustigen uns an Gemeinheiten und Skandalen, Sittenstrolchen, bildschönen Weibsbilder und deren männlichen beneidenswert muskulösen Mannsbilder und allen Wesen dazwischen. Die Tagesschauen präsentieren, durch uns  “lieb gewonnene” Köpfe. Sie spiegeln uns eine gut gemeinte aber redigierte Weltsicht, unsinniges, sinnstiftendes, herziges. Oft Nachrichten die nichts mit unserem Leben zu tun haben. Wir verfolgen zu Helden hochstilisiere Ausgewanderte, was bei manchen eine Sehnsucht hervorruft die sie bis anhin nicht gekannt hatten. Was bei manchem den eine neu Sehnsucht hervorruft die sie bis anhin nicht hatte. Ja ja, auch mal frustrierte Schweizer in der Fremde.  Was diese etwas schmälert. "Der letzte Satz", der Fakten, Motive und Sinn hinterfragt, bleibt dabei weg. 

Stellt euch vor, im nigerianischen oder  Fernsehen wird eine Serie gezeigt, die darstellt wie gut es den eingewanderten oder Geflüchteten geht wenn sie in Europa Erfolg haben. Wo auch Millionäre ohne Bodygard aus dem Haus gehen können und deren Kinder allein zur Schule.

 

Wir Schweizer zahlen Fernsehgebühren ob wir wollen oder nicht. Wir zahlen Für Krimis, Promis, Autorennen (ohne Schweizer Beteiligung), Spiele und Reportagen manche sagen mehr über Mona und ihre “Freunde” als über den Zustand der Welt. Wir glotzen die Arena, in der Taschenspieler und Klugscheissereichhörnchen glänzen, und ungestraft Unwarheiten verbreiten können, sogar aus dramurgischen Gründen eingeladen wurden.  Leider lernen wir nichts über die Zusammenhänge und Kräfteverhältnisse, wir lernen nichts über Ethik und Gerechtigkeit. Mit den Ohren eines Esels ausgestattet, lernen wir vielleicht  etwas über Machtverhältnisse. Aber auch das selten. Wir lernen nicht wie kompliziert die Sachgeschäfte sind und wie unbefriedigend letztlich die Varianten politischer Vorlagen. Die Frage ob es lauter ist den Pensionierten Fr. 70.- mehr zu geben und dafür dann den Unternehmen Millionen an steuern zu erlassen.

Wir hörsehen ohne dabei an böses zu denken, dass die UBS Milliarden Gewinne machte, die Manager 30 Mann oder Fraujahre Lohn als  Bonus bekommen.

Wir fragen uns aber nicht: Wem haben sie es eigentlich weggenommen? 

 

Das Corona Virus ist doch in einer solchen indifferenten denkfaulen Welt eine willkommene Abwechslung. 

Sagt jemand seine Meinung, so sind es auffällig oft die gleichen Worte die ich schon mehrfach aus den Medien gehört hatte. Wir schauen uns die Werbung an, werden dadurch langsam konditioniert, für dieses Auto, jene Versicherung, diese Ladenkette, Haarfarbe oder Lippenform, aber was noch schlimmer ist, für diesen oder jenen Kredit, einen Lebensstil, den wir uns nicht leisten können und dessen Attitude jetzt plötzlich durch Corona19, entkrönt wird, d.H. in Frage gestellt.

 

Die Sendung Puls im Fernsehen macht, würde ich sie anschauen, mich krank. Sie fokussiert Krankheiten die wir nicht, noch nicht, aber haben könnten. Und es sagt auch sie können oder müssen nicht unbehandelt, geduldet oder belassen werden. Es sind immer Krankheiten die von Ärzten (natürlich in der Mehrzahl!), individuell! und gründlich! abgeklärt werden müssen. Dabei viel über Krankheiten und das Leiden das sie verursachen. Nur über die Anatomie, den Stoffwechsel, das Blut, die Zellen, die Verdauung, dass es sieben Viren Arten gibt, jedes Virus ein kleines Universum ist, darüber lernen wir kaum etwas. Ebensowenig, dass sie die nur tausendstel Millimeter grossen, Viren auf der Welt aneinander gereit tausende Lichtjahre lang wären. Wir haben wir kaum ein Bild davon, was unsere Organe leisten und leisten müssen. Wie effizient der Körper arbeitet, zuverlässiger als jede Maschine. Was einen unnötiger Untersuch kostet fragt niemand.

Jetzt haben wir das Corona Virus, es ist gefährlich. Es ist harmlos. Es ist tödlich. Vor allem für die, die im letzten Wagen sitzen. Die, die nicht mehr arbeiten müssen und noch schlimmer: nichtmehr können oder dürfen. Die, die Zeit hätten nachzudenken und die sich erinnern könnten, vielleicht auch Antworten hätten auf Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden. Wir also im letzten Wagen sind diejenigen die diese Krankheit, wenn sie uns trifft, möglicherweise auch nicht überstehen.

 

Uns, wie auch viel andere hat man nicht gefragt. obschon mancher von uns ab und zu denkt: danke ich habe genug.

4 Jahre lang wohnte ich 2 Meter neben einem mächtigen Baum von dessen Früchte Nacht für Nacht hunderte Fledermäuse assen. Unter diesem Baum stand auch der Trinkwassertank, er war “service freundlich” abgedeckt. Das Trinkwasser wurde zwar abgekocht und gefiltert. Heute würde ich das “Fenster zum Baum” geschlossen halten, den Baum fällen lassen. Die Kacke der Fledermäuse ist schwarz. 

 

Wenn ich jetzt an das “Land der Fledermäuse” denke, dann stelle ich fest, die Menschen haben kein brauchbares Trinkwasser, kein erschwingliches Spital, sie haben keine Verhütungsmittel, kein Geld gegen die Malaria, impfen ist oft unmöglich, (unmöglich weit weg möglich). Viele Menschen haben Hunger, jahrelang. Noch schlimmer geht es den Flüchtlingen, die einsehen, dass ihnen nicht geholfen wird, dass sie, die in fremden Kleider gesteckt, unfrei sind, nicht wirklich leben, nur überleben, einstweilen.

Hier in der reichen Schweiz kommt dann eine Firma, die mit Juwelen Milliarden Gewinne erzielt,  fordert in agressivem und drohendem Ton über ennet dem Meer, vertreten durch Anwälte, um Mietzinsererlass, weil sie ihr Ladenlokal, mit dem sie in 25 fetten Jahren viel Geld verdienten, und das jetzt wegen Corona geschlossen werden musste. Sie klagen aber nicht gegen den Bundesrat, der die Massnahme befahl, sie klagen gegen den Vermieter. 

 

Etwa 1973 tauchte  auf dem Titelblatt der Newsweek “geheimnisvolle neue Krankheit” auf. Das geheimnisvolle hat längst einen Namen, HIV. HIV ist noch jetzt allgegenwärtig. 39 Millionen Menschen hat diese Krankheit das Leben gekostet. 37 Millionen sind an ihr erkrankt. Das Besondere an der Krankheit, mann kann sie jahrelang übertragen ohne es zu merken. Diese Krankheit ist, im Gegensatz zu Corona 19, seit einigen Jahren medikamentös zu beherrschen. Medikamente und Behandlung kosteten 2013 die Krankenkassen etwa Fr. 32’000.-, pro Jahr. 17’000 Menschen sind in der Schweiz davon betroffen. Aufgelaufene Kosten Fr. 544’000’000. Das sind immerhin siebentausend siebenhundert “Buezer” Jahreslöhne, oder   jeden Bürger in der Schweiz diese Seuche Fr. 68.—. im Jahr. Das Jahr für Jahr, wenn auch abnehmend. Die Kosten weltweit müsst ihr nun selber berechnen.

 

Wer  verdient eigentlich an diesen Kosten?  Spitäler medizinisches Pflegepersonal und die, nicht auswechselbaren, Pharmaunternehmen mit ihren Patenten. Es sind  in aller Regel Aktiengesellschaften ohne Kopf, das heisst etwas ohne Bewusstsein, ohne Verantwortung. Durch ihre Steuervermeidungs Strategien und Forschungszuschüssen aus unseren Steuern. Indirekt mitfinanziert durch unsere Pensionskassen, auch darum mit unserem Geld. Ihre Lobbyisten strolchen unermüdlich durch die Wandelhalle im Bundeshauses, habe ich gehört, versuchen ihren Kunden Vorteile und Ohr zu verschaffen. Ein Privileg das ich nicht habe. Einstweilen jedenfalls nicht.

 

Darf eine systemrelevante Firma überhaupt einen hohen Gewinn erzielen? Sind Wasserwerke, Elektrizitätswerke, Internet und Telefon, Universitäten, Schulen, Krankenkassen, Verkehrsbetriebe, Schulen, Kitas, Spitäler, Gerichte, Feuerwehr, Polizei,  Grossverteiler, Banken und die Post  systemrelevant ?  

Wenn ja, sollten sie privat oder öffentlich sein? 

 

Sind sie nicht zu wichtig.  Müssen darum gemeinnützig sein wie die Strassen, der Sonnenschein und die Luft. Vor 40 Jahren konnte man noch am Abend um 20 Uhr, auch Sonntags, einen Brief einwerfen und am nächsten Tag vor Mittag überall in der Schweiz dann aus dem eigenen Briefkasten nehmen. Alle Post war A Post! Sie war in der Hand der öffentlichkeit. Wohin sind wir gekommen? 

 

Ist die Behandlung von HIV systemrelevant, sind Impfungen systemrelevant, wie Feuerwehr und Polizei?

Überwunden ist das Corona 19 Virus erst, wenn alle geimpft oder die Krankheit ausgestanden haben, die Chinesen, die Regierungschefs, die Moderatoren, die Stars oder wir, die “gewöhnlichen” Menschen. Überwinden kann man das Virus jedenfalls noch nicht. Narren, Verschwörungstheorien und Scharlatanen behaupten dies. Überwinden können den Virus auch nicht die PolitikerInnen, wie uns täglich vor Augen geführt wird.

 

Letztere haben in der Bekämpfung ohnehin nichts zu suchen. Das braucht Fachleute  aus verschiedenen Bereichen, Virologen, Epedemologen, Mediziner,  medizinisches Personal, Ethiker, Forscher, Geografen, Statistiker, Psychologen Wirtschafts- und Entwicklungsfachleute und Diplomaten zusammengerufen werden. Ob auch das so geschehen ist, oder nur parteipolitsch ausgejasst  weiss ich nicht. Sie müssen zusammen! die notwendigen Regeln festsetzen. 

 

Bei den Verhandlungen wollen wir  dann alle zuschauen, auch die Politiker. Diesem “Superbrain” wäre mehr zu trauen als den Bundesräten, die sich in der Parteihirarchie hochgearbeitet und nun krankhaft fast versuchen es allen irgendwie recht zu machen.

 

Der Bundesrat und das BAG hat die Krise sicher nicht schlecht pariert. 

Darum geht es aber nicht nicht. Jeder macht einfach seinen Job, Virus hin oder her. Es geht nicht an, diesen Gesundheits Notstand zu verpolitisieren. Wenn das Haus brennt, ruft man die Feuerwehr und nicht die Politiker. Oder? Bei einer Pandemie hat, wie in den Gerichtssälen, die Politik nichts zu suchen. Allenfalls als Sprecher, ab Blatt.

 

Auf das Virus19 sind wir nicht vorbereitet. Das ist das Eine. Das Zweite ist: wir sind auch nicht auf Krankheit in einem solchen Umfange vorbereitet. Das Dritte, wir sind auch nicht auf Krankheiten vorbereitet, von denen wir wissen, dass sie uns mit grosser Wahrscheinlichkeit infizieren werden. Und viertens sind die wenigsten von uns darauf vorbereitet, wie Gefangene oder Mönche in einer Zelle zu leben. Auch wenn die Zelle keine Gitterfenster hat und wirsie uns selbst eingerichtet haben. Sie zwingt uns wider Willen zur Klausur. 

 

Wir sind es nicht gewohnt: plötzlich etwas hinnehmen oder dulden zu müssen. Wir denken nicht daran  dass WIR es überleben müssen, nicht nur die Anderen, die in Sierra Leone, im Kongo oder in Wuhan.

Weder die Polizei, Feuerwehr noch Militär kann dagegen halten. Letztlich auch nicht der Staat. Auch er hat keine Macht gegen das Virus. Wir müssen uns, mit den uns selbst zur Verfügung stehenden Mitteln an der Hand nehmen. 

 

Z.B. indem wir weltweit und kistenweise Schutzmasken auf dem Flugplätzen klauen, oder in der Küche Schnaps schwarz brennen, notfalls mit Klopapier, das geht wirklich? oder uns verbarrikadieren.

Das Notfallmanagement ist in der Schweiz besser als ich es gedacht hatte. Ob wir die Chance wahrnehmen und daraus auch sinnvolle Schlüsse ziehen wird sich weisen. Ich befürchte einiges wird einfach zur Gewohnheit, ohne dass wir die Zusammenhänge verstehen und wie ich, von “gebildeten Mitbürgern” erfahren, sie glauben, das alles sei nur Geschäftemacherei.   

 

Mit falschen Schuldzuweisungen richtete man früher “Hexen” hin. Heute macht man ähnliches mit den Chinesen und  die zugereisten Ausländer allgemein. 

 

Wir tun so, als ob die Chinesen keine Menschen wären, ihre Forschung inkopetent und ihr Umgang mit Krankheiten nicht verantwortungsvoll und engagiert. Wir machen uns nicht einmal die Mühe uns über den “Dinosaurier Staat” China zu informieren. Es wäre den “Schinesen” zu gönnen, als erste einen Impfstoff und Medikamente gegen das Virus zu entwickeln. Nur diese Art “Gerechtigkeit” gibt es wahrscheinlich nicht. 

Es wäre sinnvoll aus unserem Weltwahn auszusteigen und aufzuhören die Welt zu erobern. Stattdessen kleinräumiger zu denken. “Unsere Welt ” ist nicht die Welt. Und die Welt ist auch nicht unsere. Wir sind die Gäste, wir bleiben möglicherweise nicht einmal lange. Möglicherweise nicht einmal lange genug um zur Vernunft zu kommen. Wir müssen uns der Welt anpassen, nicht umgekehrt. Das Virus19, und alle Kommenden Viren lassen sich voraussichtlich nicht von uns  kolonisieren wie wir uns das wünschen.

 

Im Welttheater sind wir nicht das Publikum oder ein Konsument. Wir sind die Figuren. Wir sind RegisseurIn, Garderobefrau, Kulissenschieber, wir sind die Requsiten, wir bedienen das Licht auf der Bühne und wir kassieren. Wir sind es auch, die Schluss machen können und bestimmen wie das Stück endet und wann. Wir machen die Bildung die es braucht um die Welt zu verstehen, die Logik und das Rollenspiel das komplexe Sachverhalte analysieren kann. Wir sind verantwortlich für die Denkfabriken der Zukunft, unsere Kinder. Wir sind es die die Erfahrungen aus der Geschichte und deren Desaster den Kindern anschaulich machen müssen. Auch denen die nicht soo hell auf der Platte sind.

 

Vergessen wir nicht, die grösste aller Seuchen ist der Krieg. Die kleinen Kriege zwischen Mensch und Mensch und die vielen grossen, zwischen den Ideologien weltweit.

 

Fuss weg, Arm Weg, Loch in der Lunge, Loch im Trommelfell, blossliegendes Gedärme. Mütter Väter und Kinder tot.

 

Die Seuche Krieg ist nicht zufällig entstanden, sie ist nicht vom Himmel gefallen wie die Kacke der Fledermäuse. Wir machten diese Kriege. Wir verursachen und verursachten sie, wir ermöglichen sie. Heute. Wir sind Mittäter, Willensvollstrecker, mangels Phantasie und Verstand. Jawohl wir sind mitverantwortlich für z.B. Vietnam Syrien und Irak… Krieg ist alltäglich geworden, Unterhaltung, salonfähig wie der Mord im Krimi. Wir, also Du und ich versäumen aufzubegehren und, wie es der bräunliche Heidegger formulierte, es zur Sprache bringen. Jeden Tag. 

 

Ich hoffe wir sind uns einig, die Umweltprobleme sind real. Ebenso einig sind wir, der Verursacher ist der Mensch mit seiner Wirtschaft. Diese Wirtschaft wird jetzt mit Billionen Dollars in hunderten Ländern unterstützt. Der Luftverkehr, Tourismus, Kreuzfahrten, Luxuskonzerne Bombenfabriken und Minenbastelstuben.

 

Wir stützen damit auch ein Wirtschaftssystem das uns zerstört. 

 

Vielleicht sollte unsere Welt von Horizont zu Horizont reichen und nicht in postkolonialer Manier auch physisch. Nicht kommende Supernova von  Betegeuze oder ein Klumpen Eisen bedroht uns, es ist die Super Nova Corona Virus und die nicht genügend hinterfragte Globalisierung.

 

Es steht ausser Frage, der Staat muss  Menschenenleben schützen, selbst wenn es uns nicht gelingt. Tun wir es nicht, verlieren wir alles, auch die Würde. Es geht aber noch weiter, wir müssen auch die anderen Kreaturen und die Pflanzen schützen.

Auch vor uns.

 

Heute hat mich eine Mail erreicht die vorschlägt wie die Schuldenlast aufgeteilt werden könnte: auf die Pensionierten, die Staatsangestellten und die Reichen. Ich will dagegen halten, solange es geht. Das trifft nicht die Täter, es trifft die Opfer, die armen schon gar nicht. Auch nicht die Ursache. Die Lösung müsste fundamentaler fassen, bei der Verantwortung unseres Tuns. Eine Sozialbilanz unseres Handelns müsste die Richtschnur sein, und damit die Verursacher an die Kandarre genommen werden.

 

Ich wollte über das Corona Virus 19 schreiben weil es wichtig ist. Nun stelle ich fest, es ist ganz anders herausgekommen. Mit jedem Anschlag den ich schreibe werde ich kleiner, unbeutender, wenn es so weitergeht, dann begegnen wir einander auf Augenhöhe, ich und das Virus oder das Virus und ich? Demut im Urteilen und Nachdenken und innehalten, bevor wir Parolen formulieren, das ist meine Forderung einstweilen.

 

Ich schäme mich, hierzu meine Stimme zu erheben. Ich vermute sie ist nicht Mehrheitsfähig. Ich habe keine Lösung, aber versucht  wenigstens etwas davon zu verstehen. 

 

Wir werden sehen was dann, in 50 Jahren, übrig bleibt vom meinem Brüllen, heute, jetzt.

 

Peter Gschwend, Schwanden BE

CORONATOTAL

 

 

(Peter Gschwend)


Innere Ausrichtung

🙏 

Schon einige Wochen sind vergangen seit dem shut down. Ich bin stille Beobachterin von vielen Schicksalen. In meinem Leben spielt die Vernetzung mit Menschen auf der ganzen Welt seit über 30 Jahren eine wesentliche Rolle. Viele meiner Freunde leben verstreut in verschiedenen Ländern. Es ist mir unmöglich, meine lieben Freunde zu umarmen und meine Besuchsversprechen einzulösen.

 

Manche Menschen, die an der Tafelrunde meines Lebens sitzen, werde ich nach Corona nicht wiedersehen. Fällt eine Verabschiedung über Telefon und vorgelesene Briefe leichter?

In einer Zeit, wo so viele Worte fehlen, fehlen sie bei den grossen Übergängen noch mehr.

Ich bin zutiefst bewegt und innerlich ganz transparent und äusserlich ganz stark.

Ein gutes Erbe meiner Bühnenkarriere?

 

Dann meine vielen lieben internationalen SängerInnen, die mir Stimme und Teile ihres Lebens seit Jahren anvertrauen, sie möchten aufgefangen werden, hören, dass alles gut wird. Wird es das?

Die Hälse sind zu und der berühmte lange Atem sitzt schüchtern irgendwo im Körper.

Nach einer Skypestunde haben wir den Atem wieder in das Lebensspiel gebracht.

 

Am liebsten würde ich der Menschheit eine tröstende und aufweckende Umarmung geben.

Da ich noch nie dem Mainstream gefolgt bin und gerne selbst denke und fühle, habe ich viel recherchiert und viel Neues und Interessantes gelernt und nach und nach das langfristige Ausmass der globalen Krise gespürt.

 

Mein eigenes Leben, das so mit meiner Aufgabe verwoben ist, muss ich neu ausrichten und Teile davon loslassen. Es schmerzt mich.

Ich habe mich ausgerichtet, aus der Tiefe und der langfristigen Tragfähigkeit heraus.

Meine eigene Methode zur Enfaltung der ureigenen Sing- oder Sprechstimme SONARAVERA und mein Buch "Der Weg zum selbst-bestimmten Sänger" wurden kurz vor der Krise in die Marktwelt hineingeboren.

Zunächst war ich erschrocken, hatte ich mir für mein „Baby“ doch einen ganz anderen Start gewünscht.

 

Und nun heute im Hier und Jetzt: 

Vielleicht ist es stimmig: SONARAVERA = WAHRHAFT KLINGEN

Wird die Krise uns Menschen wahrhaftiger werden lassen und letzten Endes unseren Kern spüren lassen ohne allen Schnickschnack...?

 

Herzlichst

Vera Wenkert Zürich


Hausarrest Covid19 2020

 

Januar – April  2020. Eine schwierige Zeit wird voraus gesagt so erledige ich alles was zu erledigen ist, auch die Patientenverfügung wird neu geschrieben. 

 

In den letzten 50 Jahren sind die meisten Grippen aus China zu uns eingewandert daher halte ich die Ohren offen. Wenn jetzt in China Wuhan (ich war einmal dort, es ist eine sehr schöne Stadt und war auch auf dem besagten Markt) abgeriegelt wird, dauert es nicht lange und es geht um die Welt. Daher gehe ich ins Konzert in die Tonhalle und lade bei mir zu Hause noch einmal Gäste ein. Wer weiss wie lange keine mehr kommen dürfen.

 

Der Corona Virus geht rasant um die Welt. Italien hat es schon erwischt, dabei wollte ich an meinem Geburtstag im April nach Turin, die Reise alles ist gebucht.

 

Mein letzter Besuch (als Corona-Virus schon in aller Munde war) bei mir hat mir, anstelle des Virus, eine Flasche Corona extra mitgebracht. Nun steht das Bier, anstelle des üblichen Blumenstrausses, einsam auf dem Tisch und starrt mich an. 

Es ist eine eigenartige Zeit ohne Termine durch den Tag zu gehen, sich selbst zu ertragen. Wie lose Zähne sitzt die Angst in den Menschen. Besonders die Ü65 wird es härter treffen, ganz besonders jene im Tessin. Hochs und Tiefs werden ihnen die Hand reichen. Für ein paar Monate soll man sich an die neue Situation halten, gewöhnen, wird man darüber glücklich, traurig oder für Momente im tiefsten Schmerz verharren? Das Leben wiederholt sich nicht, auch danach nicht darum werde ich mit meinem jetzigen Leben sehr sorgsam umgehen. Eines Tages werde ich mich zurück erinnern und dankbar sein, dass es mich nicht erwischt hat.

.

Es ist 5 .00 Uhr morgens. Ich wache auf liege in meinem Bett. Das „CPAP Gerät“ ist noch am Kopf angeschnallt, der Schlauch rauscht leise und durch die verschobene Maske bläst er mir Luft  ins Gesicht, wie immer unangenehm. Draussen schläft die Welt noch. Die ersten Vögel zwitschern sie erfreuen mich, ich aber möchte gerne weiter schlafen. Die Maske stört mich wie jede Nacht deshalb ziehe ich sie wie immer nach 4-5 Stunden Stress, ab. Stecker raus und ich nehme mir vor in der nächsten Nacht ohne diese zu schlafen. Es bleibt jedoch wie immer, nur beim Vorsatz.

 

Gedanken schleichen sich bereits  wieder durch das Hirngewinde, wieso hört es nie auf zu denken? Die Lunge rasselt, sie stört mich, sonst herrscht überall Stille. Ich übe Gedanken die kommen los zu lassen, und es hat geklappt denn ich wache erst um 9.00 Uhr wieder auf.

Gut ausgeschlafen recke und strecke ich mich und will aus den Federn. Federn? Ich habe doch eine antiallergische Decke und Kissen, also raus aus dem Kissen. 

 

Auch mein Tagesplan wird sich anders gestalten. Später aufstehen, das hat  die Sommerzeit von ganz alleine geregelt, statt 8.30 Uhr wie üblich, wird es manchmal eben 10.00 Uhr. 

 

Tee aufsetzen, duschen, Rundgang durch die Wohnung. Die 2 Zimmer sind schnell inspiziert. Ist alles noch beim Alten? nicht ganz. Ich entdecke, dass mein Kaktus der bis zur Zimmerdecke reicht in letzter Zeit so komische weisse Flecken bekommen hat und heute dünkt mich haben  sich diese verdoppelt. Wird mein mit Liebe  gehegter und gepflegter Kaktus krank? Dem muss ich später nachgehen. 

 

Neu ist, dass ich den ganzen Tag in meiner Wohnung ausharren soll. Als hoch Risko Patientin ist es so vorgeschrieben. Ob ich das kann?, denn normalerweise habe ich fast jeden Tag etwas vor. Heute wäre ein Besuch bei meiner 88 jährigen Dame um mit ihr spazieren zu gehen, vorgesehen. Ich werde sie anrufen, denn mein Schweigen würde sie tiefst traurig machen. Die Traurigkeit wird viele andere auch treffen, jene die ans Bett gefesselt sind einsam und alleine Leben oder sonstige  Gebrechen haben. Man darf sie nicht besuchen und gar die kleinste Freude eine Blume vorbei zu bringen ist verboten. Man könnte sowieso keine mehr kaufen (ausser über Fleurop). Der Bund hat den Blumen-Verkauf verboten, als könnten diese den Virus aushusten und an uns übertragen. Es macht mich sauer und ich weiss, dass ich selbst den Entzug frischer Blumen auf meinen Tischen sehr bald spüren werde.

 

Ich komme mir vor wie ein Geist der durch die Wohnung schleicht und nicht so genau weiss was er anstellen soll. Eine so grosse Flasche wo ich mich hinein zaubern könnte um später als Flaschengeist jemanden zu erschrecken ist gerade nicht vorhanden. 

 

Mein  Powerplate lädt mich ein, wieder einmal benutzt zu werden. Es schüttelt und rüttelt mich während 10 Minuten auf drei Stufen durch. Um nicht so steif darauf zu stehen übe ich Quigong atme tief ein und aus und mache einige vor langer Zeit gelernten Übungen dazu. Es hat gut mir getan ich bin durchgeschüttelt und eine wohlige Wärme steigt in mir auf.

 

Nun bin ich fit und zu neuen Taten in meinen vier Wänden  bereit. Ich schalte den PC auf und wie üblich mache ich zuerst ein Kartenspiel Solitär, danach  Emails checken. Was zur Zeit  an Blödsinn versendet wird  die Kapazität des Speichers bald überschreiten. Ich habe ja Zeit und schaue mir manches an schicke das Beste weiter und 90% wird gelöscht. Die Stunden sind mir viel zu kostbar um all das Gehetze und die Verschwörungstheorien des Covid19 wegen, lesen zu müssen. Was für mich wichtig ist weiss ich, daher will ich mich von diesen Nachrichten nicht täglich runter ziehen lassen. Ich kann nichts ändern nur beitragen, dass ich mich so verhalte wie es vorgeschrieben ist. Der Enkel meiner Nachbarin geht uns regelmässig einkaufen, so sind wir mit dem Nötigsten versorgt.

 

Geschützt mit einem Mundschutz und Gummihandschuhen schleiche ich mich aber manchmal in den Denner im Quartier. Es hat dort sehr wenig Menschen und auch noch Aktion von meinem Lieblings Prosecco, Leopardo. Ich bin während dieser Aktions-Zeit, kurz aber öfters Kundin. Nun habe ich einen Vorrat angelegt, statt WC Papier, Prosecco.

 

Da ich schon am PC sitze will ich wissen was mit meinem Kaktus los sein könnte. Ich google und werde fündig. Mein Kaktus ist kein Kaktus sondern eine Euphorbia trigona. Ein Wolfsmilch Gewächse. Diese Milch ist giftig und sollte nicht an die Haut kommen, lese ich. Hat ihn eventuell der Virus „gebissen“ und er fängt an sich mit seiner Milch zur Wehr zu setzen?

Ich finde heraus, dass es Wolläuse sein könnten die sich ganz einfach mit einem Spray vertreiben liessen. Nur es gibt zur Zeit keine Sprays weil die Blumengeschäfte geschlossen sind. Glück für die Läuse.

Beim durchstöbern meines Putzschrankes finde ich ein Paket Soda. Ein Naturmittel zum Putzen. Vielleicht könnte eine Lauge mit Soda helfen die Läuse zu vertreiben. Mit einem  Stück Putzlappen um einen Bambusstock gewickelt, damit ich nicht gestochen werde, lassen sich  die Stängel gut abwaschen. Voller Inbrunst bin ich am Werk. Stängel für Stängel reibe ich damit ab und nach einer Weile sieht der Kaktus nicht mehr dunkelgrün sondern grau-weiss-grün aus. Ich werde das Mittel einwirken lassen und ein paar Tage später mit Silberkolloid noch einmal nach waschen.

 

Ich huste nicht so stark wie sonst, jedoch der  Inhalationsapparat auf der Kommode schaut mich in seiner schwarzen Gestalt an als will er sagen ich bin parat dir Gift in die Lunge zu sprühen. Ich habe Zeit, was sind schon 7 Minuten für weniger oder gar keinen Husten. So eklig wie das Medikament schmeckt, Covid19 hat vielleicht weniger Chancen meine Lunge zu besuchen. Ich verabscheue das Inhalieren mit dem Gift, aber ich würde ja gerne, wenn ich schon in der Isolation ausharren muss, überleben.

 

Vielleicht bin ich jetzt ein Geisterkind. Ich geistere im Internet herum, schicke und empfange Waths up, telefoniere, schreibe E-mails und wie schon seit 40 Jahren täglich Tagebuch und geniesse intensiv zu meditieren. So ungestört war ich lange nicht mehr. Auch wenn meine Gesundheit sehr angeschlagen ist bin ich noch nicht bereit in den Himmel zu ziehen, auch wenn der Sensemann bereits wieder im Garten unten steht. Das Gras ist vertrocknet er kann es nicht mähen und ich wohne im zweiten Stock und lasse ihn nicht herein.

 

Wieder einmal ist es ist Mittag geworden, Hunger habe ich noch keinen und ich versuche mich sinnvoll zu beschäftigen. Ich könnte doch den Sonnengruss, den ich früher im Yoga gelernt habe, üben. Wer rastet der rostet und dies macht sich schon bei der 2. Übung bemerkbar, jene Übung die wie ein Liegestütz geht. Platsch liege ich auf dem Bauch und komme kaum wieder hoch auf meine Knie. Bei der Cobra zwickt es mich so jämmerlich im Kreuz, sodass ich das Unterfangen wieder aufgebe. Die Spitäler haben jetzt anderes zu tun als allenfalls einen verklemmten Wirbel zu reparieren. 

 

Auf You-Tube suche ich etwas leichtes zum Tanzen und  finde Übungen ü65. Hab ich ein durcheinander mit meinen Füssen, ich ziehe aber die vorgetanzte Übung vor dem Bildschirm, die eine halbe Stunde dauert, durch. Puhh, hat das gut getan und mich zum schwitzen gebracht. Ich lebe noch und wie, juhuu! Täglich üben ist nun angesagt, Zeit habe ich genügend. Nur diese halbe Stunde zeigte mir wie man fit bleiben kann, könnte. Es kostet mich ein bisschen Anstrengung. Als wären meine vergangen 74 Jahre nicht schon anstrengen genug gewesen.

 

Vor ein par Monaten habe ich einen Kurs zum formen einer Betonfrau belegt. Eine sitzende Figur ist entstanden, lila habe ich sie angemalt. Auf der Fensterbank hat sie einen geeigneten Platz gefunden, schön und lieb sieht sie aus. Ich nannte sie Geduld, (war noch vor dem Virusbebfall) eine Freundin hat gesagt, Patienta sei schöner.

Ich sitze auf dem Sofa erhole mich vom turnen, schaue zu meiner Patienta zu der Fensterbank und denke darüber nach was in der Welt  alles schief gelaufen ist und noch am schief laufen ist. Familie, Freunde, Liebesbeziehungen, Krankheit usw. Ich weiss mein Leben war zäh wie eine Krokodilhaut. Die Stunden meines Lebens werden immer kostbarer und so soll es auch bleiben, zäh und voller Kraft.

 

Ich treibe immer noch im Strom des Lebens dahin und doch schätze ich es soviel Freiheit zu besitzen, dass ich bestimmen kann wie ich mein Leben gestalten darf, will, wenn letztendlich auch mit Exit.

 

Mir kommt in den Sinn. Als ich 11 Jahre alt war, grassierte die Asiatische Grippe. Weil ich damals schon ein schwächliches Kind war und an einer Lungenkrankheit litt, hatte mich jene Grippe erwischt. Ich musste damals bei Zieh-Eltern leben. Sie waren es  im wahrsten Sinn des Wortes. „Sie ziehen mich an den Haaren an den Ohren geben mir dauernd Hausarrest im kalten Zimmer.“ Trotz Husten und  Fieber muss ich zur Schule. Auf offner Strasse bin ich zusammengeklappt. Es war kurz vor Weihnachten 1957. Ich bekam Penicillin und weiss was noch um das Fieber zu senken. Als ich im Januar 1958 reisefähig war wurde ich nach Davos ins Pro Juventute Sanatorium gebracht. Fast ein Jahr lang war ich dort zur Kur. Jene Zieheltern war ich für immer los und ich verbrachte eines meiner schönsten Jugendjahre in Davos, wundervoll und doch auch schmerzhaft.

Ich war nicht geheilt bis heute nicht, darum gehöre ich  zu den Hochrisiko Patienten. Ich leide an COPD, Bronchial-Asthma und habe zum 3. Mal Krebs. 

 

Angst und Panik rundherum schlägt sich breit. Ich lasse meinen gesunden Menschenverstand walten, schütze mich mit einem Mundschutz und halte mich an die Regeln die aufgestellt werden. Seit meiner Kindheit habe ich eine Grundhaltung die heisst Geduld, Resillienz und ein gesundes Selbstvertrauen. Ich vertraue mir (manchmal noch einem Arzt) und halte mich an diesem Vertrauen an mich selbst, fest. Bislang hat es  in meinem Leben meistens funktioniert, wieso nicht auch jetzt in dieser tragischen Zeit. 

 

Ich bin schon so oft mit einem Bein auf der Andern Seite gestanden habe gedacht der Lebensvorhang zieht sich zu und er hat sich auch schon fast zugezogen aber ein kleiner Spalt blieb immer offen. Das erste Mal lag ich mit 5 Jahren dahinter, schwer verletzt mit heissem kochenden Wasser verbrüht. Niemand dachte, dass dieses kleine Menschenkind, 5 jährig, 3ten Grades verbrannt, überleben würde. Aber ich lag da hinter dem Vorhang geschützt in einem Kokon, schlüpfte nach geraumer Zeit und so konnte ich das 1.Mal durch den kleinen Spalt des Vorhangs in  die Welt die langsam wieder sichtbare wurde  hinaus und davon fliegen, in ein neues Lebens-Abenteuer.

Viele Male in meinem Leben flog ich genauso wieder in die Wirklichkeit zurück und wurde daher oft wie ein ausserirdisches Phänomen  angesehen. 

 

Damals mit 5 Jahren wusste ich schon, niemals werde ich aufgeben ich werde Leben. Wenn ich daran zurück denke, kommt es mir vor als würde mein vergangenes Leben wie eine Hand voll Sand durch die Finger rieseln. Es war kein Sand, es war harte Realität.

Nun sitze ich  am PC kann es kaum fassen, dass es mir trotz Covid19 so gut geht.

 

Auch ich stehe ohnmächtig dieser Virus Krise gegenüber, vielleicht brauchte die Welt diesen einen kurzen Stillstand. Wenn ich an die Entwicklung des Telefons (nach meiner Geburt 1945) denke, die ganze Technik all das Streben nach Geld, Luxus, Betrug, Corupption und an all Jene die noch mehr wollen um noch reicher zu sein und die Ärmsten dabei doch arm bleiben, wird mir bange. Jetzt musste die Zeit kommen um nachzudenken und weil niemand nachdenken will, wollte, steht die Welt jetzt von alleine still. Worüber wird Global nachgedacht? Geld und Macht und neue Impfmittel. Obwohl es auf der Welt nicht mehr wie vor Covid19 sein wird, hörte ich sagen, wird sich kaum viel ändern. Bald ist der Schock überwunden und es geht erneut in die Startlöcher.

 

Diese Stille, auch wenn es  laut aus dem Medien-Hintergrund brüllt, scheint einmal notwendig zu sein. Es ist schwierig sich selber auszuhalten hat aber auch seine guten Seiten. Freiwillig, obwohl ich nicht angesteckt bin, bin  ich trotzdem im Haus-Arrest und ich schwimme wieder einmal gegen den Strom, nicht mit ihm. Ich will es nicht zulassen, dass mir etwas mit Covid19 geschieht. Die ganze Pandemie ist für mich  ein Rätsel und ich erlebe es auch als solches. Das heraus Posaunen in die Öffentlichkeit schon wieder soviel Tote und neu Infizierte ist so was von erschreckend so, dass ich die Ohren zuhalten muss. Nicht, dass es mich nicht interessiert, ich mag es nur nicht mehr hören.

 

Hat mich diese Pandemie wieder in einen Kokon verwandelt dem ich später gesund entschlüpfen kann? Ich wundere mich, dass mein Körper es tatsächlich geschafft hat mitzuhalten und brav zu bleiben. Die Lunge hustet nicht so fest, der Krebs zieht sich zurück, ich bin gespannt welche Aufgaben mir das Leben noch stellt.

 

Ja und übermorgen werde ich trotz all dem gewesenen 75 Jahre alt. Statt einer geplanten Reise nach Turin sitzen wir vier Frauen, jede für sich alleine zu Hause und stöbern den Reiseführer durch nach den Sehenswürdigkeiten die wir uns gemeinsam angeschaut hätten. Es wären sicher wundervolle Tage geworden und für mich sind sie es trotzdem, denn ich habe alles virtuell angesehen. Wer weiss, nächstes Jahr kommt bestimmt und wenn wir dann noch wollen, oder können, starten wir aufs Neue.

 

Da alle Dinge im Hirn passieren also im, wie von uns gesagtem oberen Stübchen, ist es schlussendlich das was mich und alle Menschen ausmacht. Dort passiert es und nur dort. Wird Panik gemacht, unheilvolle Nachrichten verbreitet, Covid19, all das hat das kluge Hirn zu verarbeiten, zu verkraften und wenn es nicht mehr richtig funktioniert und von den Medien lautstarke Anweisungen zur Panik durch gegeben werden reagieren Menschen so eigenartig, dass sie z.B. WC-Papier in übergrossen Mengen kaufen! Mir ist  unklar wieso jeden Tag lauthals verbreitet wird wie viele neu Infizierte es gibt, wie viele Tote. Da muss der normal sterbliche Mensch durchdrehen. 

 

Die Menschen sterben vor allen Dingen mit und nicht an Covid19. Letztes Jahr gab es allein in Deutschland 25 000 Grippe Tote, aber das ist eine andere Geschichte. Ich kann mich nur weiterhin wundern und mit Mundschutz und behandschuht vor die Türe gehen.

 

Es hat an der Haustüre geklingelt jemand überbringt mir einen Blumen Strauss zum Geburtstag, von der Verwaltung. Auch wenn zwei Tage zu früh erfreue ich mich an den wunderschönen orangen Tulpen, gelben Fresien und den hauchzarten weissen Nelken. Ich habe so ein Glücksgefühl in mir, dass es fast schmerzt. Warum ist das Fassungslose das gerade statt findet, das als so Böse bezeichnet wird aber bald wieder hinter uns liegen soll, so böse?

 

Meine Gedanken bekommen Flügel, sie flattern von Golfplatz zu Golfplatz wird es bald wieder möglich sein draussen ohne Gefahr mit netten Menschen zusammen auf die Runde zu gehen? Es erfüllt mich mit einem beglückenden Gefühl, dass es bald wieder möglich sein könnte. Ich werde keine Diskussionen über Covid19 akzeptieren. Nur weil wir Glück hatten oder uns an die Regeln gehalten haben dürfen wir wieder Golfen, nur das, und nur das wird auf der nächsten Runde zählen.

 

Nun steht der Blumenstrauss neben dem Corona spezial und ein paar Geburtstagskarten zur Dekoration auf dem Tisch. Eigenartig, 13 Freunde haben mir per Post geschrieben, wunderschöne Karten mit vielen guten Wünschen die ich als nicht ganz gesundes Wesen gerne empfangen habe. Die vielen Telefonate Whats-ups, Emails, insgesamt gegen 50 liebe Menschen die an mich dachten, all das gibt mir Kraft auch wenn der Krebs meint mich wieder terrorisieren zu müssen, ich gebe niemals auf bis ich die Augen für immer schliesse.

 

Auch wenn ich mich fast die ganze Zeit  nur in meinen vier Wänden bewegt habe, ist es auch heute im  Nu wieder Abend geworden. Ich schaue nach meinem Kaktus. wie sieht er denn nach meiner intensiven Behandlung aus? Mit seinen grünen Stängel mit der weissen Soda Schicht überzogen steht majestätisch da als wäre nichts geschehen. Ich hoffe, dass ich den Läusen oder was immer es sein mag den Garaus gemacht habe und in den nächsten Tagen werde ich mit klarem Wasser und Zugabe von Silberkolloid, die ganze Arbeit nochmals wiederholen, nämlich erneut Stängel für Stängel abwaschen.

 

Weil ein Geschenk vor der Haustüre stand hat meine Nachbarin von meinem Geburtstag erfahren. Spontan lade ich auf 4 Uhr ihren Mann und noch zwei andere Nachbarn zu einem Drink ein. Meine Durchsage, warm anziehen und das Glas selber mitbringen. Auf unserem Laubengang haben wir am Nachmittag keine Sonne  daher ist es schon früh kühl. Eine Foccacia von meiner Nachbarin gebacken, Prosecco, Aperol, Zitrone und Wasser stehen auf einem kleinen Tisch. Wir halten den nötigen Abstand ein und sind uns doch nah genug um es lustig zu haben. Meine 4 Gäste trällern lauthals Happy Birthday in drei Sprachen in den Garten hinaus und gar von Nachbars Block winken Leute herüber. Trotzdem es recht kühl, kurz und unbeschwert und so lustig war, war es wohl der coolste Geburtstag den ich je gefeiert habe. Den werde ich sicher nie vergessen. Es war reine Lebensqualität eine Qualität der Solidarität ohne drum und dran, nur mit Prosecco.

 

Was mag mir das 76. Lebensjahr bringen? Zumindest wenn die Corona Virus-Pandemie vorbei ist wartet auf mich ein Corona spezial. Ich werde es zum gegebenen Zeitpunkt  kühl stellen und dann Prost auf einen Virus freien Sommer und nie mehr Covid19, nur noch Corona extra. 

Vielleicht kaufe ich noch ein paar Flaschen davon um mit meinen Nachbarn und Freunden ohne 2 Meter Abstand zu feiern. Na dann Prost.. bis bald

 

 

Norbu-Madelaine Faltin, Zürich


Gabriele Saputelli, Stäfa (Der Autor sandte uns diesen Text so als PDF)


ent / fernt 

 

möge doch der firn

mit dem nachmittag 

verschmelzen und etwas näher 

in die stunde rücken

 

es liegt ihm fern -

und was dahinter 

blendet weiß

 

über den daumen gepeilt

mit ausgestrecktem arm

messen wir die distanz

üben uns in geduld 

auf ein näherkommen

 

 

 

Cornel Köppel, Hedingen 

 

https://prolyrica.ch/b-b/cornel-koeppel


Es gibt Momente, da erinnere ich mich zurück, als ich 13 war. Da war in mir so eine naive Aufbruch-Stimmung. Ich bin jetzt 60 Jahre alt. Und hab heute Nacht wieder wie dieses 13 jährige Kind gedacht über die Bundesräte und Regierungsmitglieder/innen, die ja keine Führungs-Fachpersonen sind, sondern einfach Interessensvertreter/innen. Darin liegt  meines Erachtens das Problem. Wir haben wunderbare Coach's, welche auf hohem Niveau lösungs orientiert arbeiten können, wie auch  Menschen aus Philosophie, Ethik und so weiter.

Das System der Politik, wie es jetzt ist, ist nicht mehr aktuell. Zum Beispiel

Interdiszipliniertes anstatt parteiorientiertes Arbeiten fände ich sinnvoller. Ich glaube, es gibt genug Vorlagen, wie wirklich gute Firmen oder Lebensformen ohne Hierarchie funktionieren. Was und wen haben wir in unserer Gemeinschaft und was kann jeder beitragen zu einem Gesamtwerk. Viele sind schon fähig, so zu handeln, sich gegenseitig zu unterstützen und kreativ mitzuarbeiten. Dazu braucht es eine gesicherte Grundexistenz für alle, ein bedingungsloses Grundeinkommen, dem jeweiligen Land entsprechend. 

Doch das muss zuerst ankommen bei den  Menschen. Solange wir noch so leistungs- und wettbewerbsorientiert denken und handeln, ist es nicht einfach.

 

Ursina Knill, artist&singer, Bern


Bin überzeugt, diese branded Virus-Geschichte ist die Fake News des Jahrhunderts und von Übersterblichkeit per Jahresende keine Spur. Ein Glück, dass der Sündenbock in diesem Nazi Schmazi nur ein Virus war. 

 

Werner Marti, wohnhaft in Madrid, zur Zeit in der Schweiz „festgehalten“


Breathing

Flower

Masked.

Uprooted.

Flying

Flower,

Freed

 

Jeanine Osborne, Zürich


 

drinnen sitzt

per virus und dekret dahin verbannt

ein spätling

der hinaus möcht

in den frühling

 

 

für mich besteht das ganze aus zwei ebenen: die erste ist die verbannung, bei uns weit rigoroser als in der schweiz: verlassen der wohnung nur für den gang zum supermarkt, zur apotheke und zur bank gestattet. (die hündeler dürfen auch raus, kann man ja irgendwie verstehen.) es wird kontrolliert und hart gebüsst. das ist für mich nicht so schlimm, ich arbeite ja seit jahrzehnten so, allein zu hause. natürlich vermisse ich die freunde und maya, die am vorletzten sonntag hätte kommen sollen. und ich vermsse meine trottifahrten quer durch die stadt und ans meer.

 

die zweite ebene ist der anlass, der grund für die verbannung, das virus, die krone, die covid, die pandemie, die seuche, all die tode (in spanien weit über 12’000), etwas, worüber man vor wenigen wochen noch witzelte und was hastdunichtgesehn über uns hereingebrochen ist und die strassen leergefegt hat, den menschen masken vor nase und mund hängt und sie vor lauter waschen sich die haut von den händen scheuern lässt. anderswo darf man wenigstens noch in den wald. sollte man aber nicht, denn wenn einer gradeaus vor sich hin hustet, bleiben tröpfchen von diesem husten bis zu drei stunden in der luft hängen und bieten den viren ein tolles habitat. das hat noch nie jemand erlebt. auch nicht, dass jeder, jeder einzelne, dass alle ohne ausnahme betroffen sind. woher kommt das? von oben, wie einige glauben, die an dieses höhere wesen glauben, das sie verehren? von uns selbst, die wir durch unseren skrupellosen umgang mit unserem habitat es diesem ermöglicht haben, den eigenen rächer zu züchten? oder einfach so, aus dem nichts heraus, eine monströse ungerechtigkeit, die – um ein naheliegendes beispiel zu nennen –  in den ersten drei wochen spanien 900’000 arbeitsplätze und der ganzen wirtschaft tonnenweise sand ins getriebe gespült hat?

 

ich weiss es nicht, niemand weiss es und wird es je wissen, wie schon seneca wusste.

 

die welt, so, wie sie von den mächtigen betrieben wird, ist ja ein sehr unregelhaft betriebener unsinn.  zu, na, 80 prozent drehen sich die gespräche ums virus, man vergleicht statistiken, zeigt sich kurven, interpretiert parameter, diskutiert neue formen von quarantänemaßnahmen, und so bin ich jetzt dran, dinner for one ganz unregelhaft zu einem covidcomic umzubauen.

 

 

die schwalbe

 

eine wackerschwalbe zieht ganz leise

überm viertel ihre weiten kreise

ich schau ihr lange zu und denke:

sie heißt zu recht so, wie sie heißt

 

Peter Schwaar, Barcelona


 

Neue Tarife?

 

Der Himmel über China wird frei, vor den großen Sportstadien kann sich die Polizei das Tränengas sparen, Verbrauch an Erdöl, Benzin und Kerosin sinkt und das Frühlingszwitschern im Wald wird immer lauter. Ob die Virus-Krise für die Natur einen Vorteil herausspielt, wird man sehen. Ein Freund meinte kürzlich in der Kneipe als es noch gestattet war, zu den sich zuspitzenden Krisen in Syrien, Irak oder Libyen, dass alle waffenexportierenden Länder, die steuerliche Gewinne durch diese Konflikte machen, einen entsprechenden Anteil an Flüchtlingen aufnehmen müssten.

 

Auffallend ist, dass von den Kirchen und Glaubensgemeinschaften zu diesen Viren- und Kriegs-Krisen nichts zu hören ist, auch kein Ton zum Klimawandel und Artensterben. Exklusiv für Sie, habe ich mal bei diversen Religionsgesellschaften angefragt. Hier ein paar Auszüge der erhaltenen Stellungnahmen: «Die wirtschaftlichen und technischen Ursachen des Artensterbens haben eine spirituelle Dimension.» meint die Pressestelle der Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz. Herbert Bodenmann von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten betont, dass der Fleischverzicht aus gesundheitlichen Gründen auch der Umwelt dient. Übrigens, der Erfinder der Cornflakes, Dr. Kellogg, sei Mitglied dieser Kirche gewesen.

Die Kirche Jesu Christi im Volksmund «Mormonen» gaben keine Antworten und verweisen auf die Website und die Schweizerische Israelitischer Gemeindebund bittet, die Fragen an die einzelnen Gemeinden zu richten. Jürg Stettler von der Scientology Kirche zitiert L. Ron Hubbart: „Der Mensch hat die potenzielle Fähigkeit erreicht, die Erde zu zerstören. Er muss darüber hinaus die Fähigkeit erwerben, die Erde zu retten und dann entsprechend handeln“ und Stettler appelliert an die Eigenverantwortung der Mitglieder. Der Vorsitzender der Chrischona Schweiz, Christian Haslebacher, ist überzeugt, dass «Jesus diese Welt einmal in Ordnung bringen» werde und diesen Zustand sollen die Christen im «Kleinen und Großen vorwegnehmen».

 

Wir würden in einer «degenerierten Zeit» leben, im sogenannten «Kali-Yuga» gibt Acharya Vidyabhaskar vom Schweizerischen Dachverbands für Hinduismus (SDH) zu verstehen. Die Menschen würden die „Achtsamkeit hinsichtlich der Natur und der tiefsten Sichtweise des Lebens zunehmend vergessen“ aber statt Weltuntergang brächte der Zyklus auch wieder eine gute Zeit.

 

Zur Verantwortung gehöre auch ein Gebäudeneubau nach den ökologischen Standards, so Thomas Riesel von der Evangelischen-Lutherische Kirche Zürich, verweist zudem auf die Baumpflanzaktion in Äthiopien und hofft, den blauen Planeten so gut es geht, den zukünftigen Generationen zu erhalten. Aus unterschiedlichen Gründen fehlen bis dato noch Stellungnahmen von einigen Kirchen und Glaubensgemeinschaften.

 

Seit Jahrhunderten gelang es weder der Politik noch der Religion, das Artensterben zu stoppen. Statt Gottvertrauen scheint ein kleines Virus in der Lage zu sein, einen neuen Tarif im Umgang mit der Umwelt durchzugeben.

 

Urs Heinz Aerni, Zürich und Lenzerheide

 


 

 

Corona – die Krönung 

 

Lange ist’s her 

seit ich noch gewahr war, dass ich 

 

            König / Königin 

 

bin / zu werden bestimmt bin

im eigenen Land

  – im In-Land 

 

 

wo 

Träume

Ängste

Wünsche

 Bedürftigkeiten

 Sehn- und Süchte

 Ahnungen

 Wunden

 Nöte

 Fantasien... 

 

schlummern  

 

Potenzielle Persönlichkeiten 

 

die seit anfangloser Zeit um Aufmerksamkeit buhlen

  – laut, leise, stumm...  

  – giftig, böse, dumm... 

die hoffnungslos aufgeschmissen darben

so lange keiner sie sieht und sagt 

 

hallo?! 

 

die unbedarft darauf warten, entdeckt, erkannt, entlarvt  

wach geküsst! zu werden vom Frosch,  

 

          dem König / der Königin. 

 

Um dereinst endlich 

ihren Job im In-Land fassen 

die schmerzliche Lücke füllen 

ihre ureigene Gabe leben zu können 

 

und dabei heilig erschrecken 

ob der Wonne, die sich ausbreitet allumher 

 

und zitternd erfahren 

wie ihre Kräfte und Säfte ins Fliessen kommen

und jeden Durst mit Nektar zu

 

                   stillen

 

vermögen

 

 

Seraina Morell Gunzinger, Zürich

 

 


Monika Bachmann, Küttigen (AG)